Der Bauernhof und seine Gebäude
Die ersten Belege von niederdeutschen Hallenhäusern gehen weit in das Mittelalter zurück. Die Bauform des Hallenhauses kam mit den deutschen Einwanderern Mitte des 12. Jahrhunderts in unsere Region. Charakteristisch ist das große, in früheren Zeiten mit Roggenstroh und jetzt mit Schilfrohr gedeckte Dach. Heute hat sich meist der Begriff des Reetdachs eingebürgert. Auf zwei parallel zueinanderstehenden senkrechten Balken, den Ständern, ruht dieses mächtige Dach und nimmt zugleich die Diele auf. Dieser als „Grot Däl“ bezeichnete Raum ist durch das große Einfahrtstor an der Front der Häuser zu befahren und liegt demnach an der Giebelwand, die dem Wohnende des Hauses gegenüberliegt. Zu den Höfen gehörten neben dem Wohn- und Wirtschaftshaus, eine Scheune und mehrheitlich auch ein Backhaus und ein weiterer Stall. Die großen Wohnhäuser verfügten bis weit ins 19. Jahrhundert größtenteils über keinen Schornstein. Diese Rauchhäuser verfügten in der Küche über einen gemauerten Herdsockel, auf dem das offene Feuer brannte. Dieser war mit einem gemauerten Bogen versehen, der als Funkenschutz diente und die Herdstange aufnahm. An dieser hing der Kessel zum Kochen. Durch ein Ofenloch in der Herdwand konnte der dahinter befindliche Stubenofen beheizt werden, womit Küche und Stube die einzig beheizbaren Räume waren. Nur wenige Beispiele für diese Rauchhäuser haben sich erhalten, die meisten Bauernhäuser sind später mit Schornsteinen nachgerüstet oder neu errichtet worden.
Die zahlreichen Verzierungen an der Giebelseite der Bauernhäuser zeugten vom Wohlstand der Bauern in der Region.
Blick auf das Bauerndorf Grieben mit sechs Hallenhäusern aus dem 18. Jahrhundert, von denen heute noch drei erhalten sind. Beim genauen Betrachten fällt die spielende Kinderschar vor der Hofmauer auf. (Aufnahme von Daniel Hempel aus dem Frühjahr 1919)

